Kasachstan

Deutsche Minderheit in Kasachstan

In der FUEN vertreten seit 1993.

Die deutsche Minderheit in Kasachstan umfasst ca. 180.000 Menschen (Stand 2012). Die deutsche Volksgruppe lebt dispers in Kasachstan und betreibt sprachliche,  soziale, und kulturelle Arbeit. Einer der wichtigsten Schwerpunkte ist die Jugend- und Kinderarbeit, sowie die Partnerschaft mit den Landsleuten im Ausland und die Zivilinitiativen in Kasachstan. 

Mit der Eroberung der kasachischen Steppe und Mittelasiens im Laufe des 18.-19. Jahrhunderts ist die erste Welle von Deutschen nach Kasachstan gekommen. In den 1850er Jahren wurden erste deutsche Gemeinden in Orenburg, Omsk, Uralsk und Semipalatinsk gebildet. Es waren Balten- bzw. Auslandsdeutsche, die vor allem als Militärs und in der Verwaltung dienten und sich praktisch ausnahmslos in den Städten niedergelassen haben. Im Jahre 1941 wurden die Deutschen aus den ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten in der UdSSR von den Organen des NKWD nach Kasachstan umgesiedelt.  Grundlage dafür war ein Dekret des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 28. August 1941 „Über die Umsiedlung der in den Rayons des Wolgagebiets lebenden Deutschen“. Ab dieser Zeit war es den Deutschen verwehrt, in der UdSSR zu studieren, ihre Muttersprache öffentlich zu sprechen und spezielle Berufe auszuüben. Bis Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts bestand bei dieser Personengruppe eine Kommandaturmeldepflicht. Viele Deutsche Kasachstans mussten in den Zeiten zwischen 1941-1959 Zwangsarbeiten in Arbeitslagern verrichten.

Nachdem 1979 die Idee zur Bildung eines autonomen Gebiets der Deutschen in Kasachstan – in der Gegend von Zelinograd (heute Astana) mit einem hohen Anteil Deutschstämmiger – am massiven Widerstand der einheimischen russischen und kasachischen Bevölkerung scheiterte, wanderten die meisten Deutschen Kasachstans seit Ende der 1980er Jahre aus Kasachstan nach Deutschland aus. Die Anzahl der Aussiedler war in der Periode 1993-1997 am höchsten und erreichte 100.000 Personen pro Jahr.  Laut der Volkszählung von 2003 lebten 300.000 Deutsche in Kasachstan, vor allem im Norden des Landes und im Raum Almaty. Eine doch relativ große deutsche Gemeinschaft in Kasachstan, sowie die hohe Anzahl der Spätaussiedler aus Kasachstan in der Bundesrepublik Deutschland (mehr als 600.000) ist ein wichtiger Faktor in den deutsch-kasachischen Beziehungen. Heutzutage ist die Aussiedlung der Deutschen aus Kasachstan auf einem niedrigen Niveau angekommen, es gibt sogar eine neue Tendenz zur Rückkehr der Deutschen nach Kasachstan. Im Jahre 2006 sind rund 1.500 kasachischen Spätaussiedler aus Deutschland nach Kasachstan zurückgekehrt. Es wurde auch 100 Familien registriert, die ihren Wunsch geäußert haben die kasachische Staatsangehörigkeit zurückzubekommen. Am 01. 01. 2007 betrug die Zahl der Deutschen in Kasachstan fast 200.000 Personen. Laut statistischen Daten über die demographische Situation der Bevölkerung der Republik Kasachstan ist die deutsche Minderheit infolge der überproportionalen Aussiedlung von der zahlenmäßig drittgrößten Minderheit zur sechstgrößten im Lande geworden.

Die Assoziation der gesellschaftlichen Vereinigungen der Deutschen der Republik Kasachstan "Wiedergeburt" vereinigt alle 21 Regionalgesellschaften der Deutschen Kasachstans. Das Vollzugsorgan der Assoziation ist Büro des Rates der Deutschen Kasachstans. Im März 2004 wurde die Deutsch-Kasachische Assoziation der Unternehmer (DKAU) von hauptsächlich deutschstämmigen Unternehmern gegründet und versteht sich als offene Interessenvertretung aller derjenigen, die die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan erweitern oder vertiefen möchten. Die Mitglieder der Assoziation sind erfolgreiche Firmen Kasachstans, die langfristige Kontakte zu Deutschland haben. Man erlernt die deutsche Sprache in 6 staatlichen allgemeinen Schulen vertieft als Muttersprache. In 7 staatlichen Hochschulen werden die Lehrerinnen und Lehrer für deutsche Sprache ausgebildet. Für die Realisierung der Bedürfnisse der deutschen Minderheit funktionieren drei staatliche Institutionen: das Deutsche Theater, die deutsche Rundfunksendung und die deutsche Fernsehnsendung „Wir Deutschen“.

Die Versammlung der Völker Kasachstans  stellt ein Mechanismus der Zivilgesellschaft dar, der alle national-kulturelle Zentren vereinigt und die Interessen nationaler Minderheiten in Kasachstan vertritt.  NGOs: „Dialog“, Advocates on behalf of Jews in Russia, Ukraine, the Baltic States & Eurasia, Almaty Helsinki Committee, Kazakh International Bureau for Human Rights and Rule of Law, Center for Conflict Management.

Sowohl der Rat der Deutschen in Kasachstan, als auch die DKAU wird sowohl von deutscher (CIM, GTZ, Auswärtiges Amt, BMI, Deutsche Botschaft in Kasachstan), als auch von kasachischer Seite befürwortet und unterstützt, da die Vereine dabei helfen, die Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan zu vertiefen und auszubauen.

Die "Deutsche Allgemeine Zeitung" (DAZ) ist die Zeitung der deutschen Minderheit in Kasachstan. Sie wendet sich zudem an alle diejenigen, die ein grundsätzliches Interesse an der deutschen Sprache, Kultur oder Gesellschaft haben.
www.deutsche-allgemeine-zeitung.de

Die Deutsch-Kasachische Assoziation der Unternehmer ist ein internationaler Zusammenschluss von Unternehmern, Verbänden und anderen juristischen Personen aus Kasachstan und Deutschland. Ziel der Assoziation ist es, die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder besonders durch den intensiven Kontakt zu deutschen, sowie kasachischen Institutionen effektiv zu vertreten.
www.dkau.de

World Directory of Minorities and Indigenous Peoples: Kazakhstan Overview
http://www.minorityrights.org/?lid=2359

Deutsche Vertretungen in Kasachstan
http://www.kasachstan.diplo.de



Kasachstan ist kein Mitglied des Europarats und hat das Rahmenübereinkommen daher nicht ratifiziert. Allerdings kann das Ministerkomitee des Europarats jeden Nichtmitgliedstaat des Europarats einladen, dem Rahmenübereinkommen beizutreten (Artikel 29.1 Rahmenübereinkommen). Eine solche Einladung wurde bisher noch nicht ausgesprochen.

Kasachstan ist kein Mitglied des Europarats und hat die Sprachencharta daher nicht ratifiziert. Allerdings kann das Ministerkomitee des Europarats jeden Nichtmitgliedstaat des Europarats einladen, der Sprachencharta beizutreten (Artikel 20.1 Sprachencharta). Eine solche Einladung wurde bisher noch nicht ausgesprochen.

Aktuelles

Endlich wieder „zuhause“

Nach einer kompletten Sanierung des Schulgebäudes und einem Umzug der Schüler in vier andere Schulen wurde am 1. September das 18. Gymnasium in Almaty feierlich eröffnet.
Das erste Klingeln ist immer etwas Besonderes. Für das 18. Gymnasium in Almaty war es ein ganz außergewöhnlicher Moment, als die Türen der Schule nach sechsmonatiger Rekonstruktion wieder geöffnet wurden. Nicht nur die Erstklässler, alle Schüler mit ihren Lehrern und Eltern nahmen dies zum Anlass, sich auf dem schmucken Schulhof zu versammeln und zu feiern.

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„Wir wollten ein Stück über uns heute hier machen“

Tilman Hecker und sein künstlerisches Team haben in Almaty fast sieben Wochen an „Rainmaidens of Eastworld“ gearbeitet. Im DAZ-Interview verrät der aus Karlsburg bei Usedom stammende Regisseur, wie die Idee zum aktuellen Stück entstand.

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«Wir sind zusammen – 2019» endlich ist es soweit!

In Nur-Sultan hat am Donnerstag das zehnte Festival der deutschen Kultur „Wir sind zusammen“ begonnen. Angehörige der deutschen Bevölkerung Kasachstans und Gäste aus dem In- und Ausland kommen bis zum Sonntag in der kasachischen Hauptstadt zusammen, um das 30-jährige Jubiläum der Selbstorganisation der Deutschen Kasachstans zu feiern. Die Gesellschaftliche Stiftung „Wiedergeburt“ lädt dazu ein, an diesen besonderen Tagen am reichen Kultur- und Gesellschaftsleben der deutschen Gemeinschaft teilzuhaben. Das Großereignis steht sowohl für den Zusammenhalt der Gemeinschaft wie auch für ihre Vielfalt und Offenheit.

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Unterstützung aus Berlin

Ende September findet in Nur-Sultan das 10. Festival der deutschen Kultur statt. Ein besonderes Ereignis, auf das nicht nur die Deutschen Kasachstans mit Vorfreude schauen. Auch Gäste aus Deutschland werden erwartet. Der Berliner Anton Hauer unterstützt als ifa-Kulturassistent bei der Gesellschaftlichen Stiftung „Wiedergeburt“ die Organisation des Festivals. Das Land und die Stiftung sind Anton durch zwei Sprachassistenzprogramme bestens bekannt. Nun freut er sich darauf, alte Bekannte wiederzusehen und neue Freundschaften zu schließen. In der DAZ stellt sich der 30-Jährige vor und schreibt, was er sich von dem Festival erhofft.

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Offizielle Dokumente


Gesellschaftliche Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“


Die Gesellschaftliche Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ ist eine gemeinnützige Organisation mit eigener Rechtspersönlichkeit. Die Stiftung wurde als Nachfolger der Assoziation am 9. Oktober 2017 in den Justizbehörden der Stadt Astana registriert.

Die „Wiedergeburt“ arbeitet hauptsächlich daran, das historische, kulturelle, traditionelle und sprachliche Erbe der Deutschen zu erhalten und aufleben zu lassen, darüber hinaus beschäftigt sich die Gesellschaft mit der Förderung von Trudarmisten, unterdrückten und einkommensschwachen Mitbürgern; außerdem ist die „Wiedergeburt“ aktiv in der Jugendarbeit tätig; zu den wichtigen Aufgaben zählt auch die Zusammenarbeit mit deutschsprachigen Ländern.

Ziele der Stiftung „Wiedergeburt“  sind:

1) die Vertretung der Interessen der Bürger der Republik Kasachstan deutscher Nationalität gegenüber den staatlichen Behörden und der Verwaltung, kasachischen, ausländischen und internationalen Organisationen und Institutionen;

2) die Organisation der Zusammenarbeit und des Zusammenwirkens mit staatlichen Behörden und Nichtregierungsorganisationen in sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen Fragen und bei der Bildungs- und Jugendarbeit;

3) die Organisation der Informations- und Beratungs-, methodischen Forschungs- und Verlagsarbeit;

4) die Gestaltung eines einheitlichen Informationsraums für Bürger deutscher Nationalität der Republik Kasachstan;

5) der Schutz der Rechte und legitimen Interessen der Bürger der Republik Kasachstan deutscher Nationalität und ihrer Organisationen;

6) die Neubelebung und der Erhalt der kulturellen Traditionen, Sitten und Gebräuche, die Wiederherstellung und Entwicklung der  Sprache, Bildung, Kultur und Religion der deutschen ethnischen Gruppe Kasachstans, die Förderung der Entwicklung einer entsprechenden Infrastruktur;

7) die Entwicklung der Wirtschafts-, Sozial-, Kultur- und Bildungsbindungen mit den Landsleuten der Bundesrepublik Deutschland;

8) die Herstellung partnerschaftlicher Beziehungen der deutschen ethnischen Gruppe dieser Länder.

Die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) ist eine Wochenzeitung in Kasachstan und wurde 1966 gegründet (http://daz.asia/). Sie erscheint in deutscher und russischer Sprache mit einer Auflage von bis zu 2.000 Exemplaren. Zu den Schwerpunktthemen der DAZ gehören die deutsch-kasachstanischen Beziehungen, Tendenzen in Politik, Kultur und den Gesellschaften Zentralasiens und Deutschlands sowie Perspektiven und Ausbildungsmöglichkeiten der Jugend.

Gesellschaftliche Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“