Frankreich

Deutsche Minderheit in Frankreich

In der FUEV vertreten seit 1957.

Die deutschsprachige Minderheit in Frankreich befindet sich überwiegend im Elsass, im äußersten Osten Frankreichs und erstreckt sich von der Südpfalz bis nach Basel.

Seit dem Frühmittelalter sind im Elsass deutsche Dialekte beheimatet. Die Existenz einer zugehörigen deutschen Standardsprache hing von politischen Gegebenheiten ab. Das Französische gewann vor allem zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert an Gewicht. Das hängt vor allem mit der politischen Geschichte zusammen, aber auch partiell mit dem Ansehen, den das Französische vor allem in der frühen Neuzeit europaweit in Adel und gehobenem Bürgertum genoss. 

Nach der Eroberung durch französische Truppen 1639-1681, kam das Französische beispielsweise mit den königlichen Verwaltungsbeamten, sowie Einwanderern und Händlern aus Zentralfrankreich ins Elsass. Die überwiegenden Bevölkerungskreise verwendeten weiterhin Deutsch bzw. ihren jeweiligen deutschen oder romanischen Dialekt. Nach der Französischen Revolution änderte sich die Sprachpolitik des französischen Staates, der nun für Frankreich sprachliche Einheit propagierte.

Darüber hinaus fand Französisch vor allem in denjenigen Bevölkerungskreisen Eingang, die mit den Ideen der Revolution sympathisierten. Deutsch bzw. die deutschen Dialekte waren nun Teil einer Entwicklung zu partieller Zweisprachigkeit. Zu Reichslandzeiten (1871-1918) wurde die "Sprachenfrage" in einem Gesetz vom März 1872 zunächst so geregelt, dass als Amtssprache grundsätzlich Deutsch bestimmt wurde. In den Landesteilen mit überwiegend französischsprachiger Bevölkerung sollte den öffentlichen Bekanntmachungen und Erlassen jedoch eine französische Übersetzung beigefügt werden.

Die französische Sprachpolitik zwischen 1918 und 1940 war ziemlich restriktiv. In Schulen und Verwaltungen wurde ausschließlich Französisch zugelassen, zeitweise wurde bei Verstoß, verboten Deutsch bzw. Dialekt zu sprechen. Die Sprachpolitik der deutschen Nationalsozialisten (1940-1945) war rücksichtslos an deren Ideologie angepasst. Sogar Vornamen wurden umgewandelt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die französische Sprachpolitik der Vorkriegszeit verstärkt fort. Seitdem ist Französisch alleinige Amts- und Verkehrssprache. Ausnahmen hiervon macht die Mehrheit der älteren Generation, die teilweise noch auf Deutsch bzw. im deutschen Dialekt kommuniziert. Die jüngeren Generationen, insbesondere in den größeren Städten sprechen fast ohne Ausnahmen lediglich Französisch.

In der politischen Debatte um den Erhalt des Deutschen bzw. deutscher Dialekte ("Elsässisch"), ist eine eindeutige Präferenz zugunsten der Dialekte und gegen das Standarddeutsche gesetzt worden. Man orientiert sich also weniger an Modellen wie der Schweiz, wo Mundart und zugehörige Standardsprache nebeneinander existieren (Diglossie), sondern mehr an Modellen wie in Luxemburg, wo der Dialekt gegenüber der zugehörigen Standardsprache höher bewertet wird und sogar zur Schriftsprache ausgebaut wird. So hat man sich beispielsweise in Straßburg im Zusammenhang mit der Dokumentation der ehemaligen deutschen Straßennamen auf Straßenschildern nicht für Standarddeutsch, sondern für die Straßburger Mundart entschieden.

Das Problem bei der Höherbewertung der Dialekte gegenüber der deutschen Standardsprache ist, dass auch im Elsass Mundarten regional und sozial starke Unterschiede aufweisen. Durch die starken Assimilationstendenzen ist es heute fast soweit, dass Personen unter 30 Jahren kein Deutsch mehr sprechen. Dies liegt vor allem daran, dass es seit langem keinen deutschsprachigen Unterricht auf ebene der Muttersprache gibt.

Im Jahre 1918 wurde das Französische in allen Schulgattungen intensiv betrieben und zur Unterrichtssprache erklärt. Ab dem Jahr 1952 wurde Deutsch nur noch fakultativ unterrichtet. Durch die Verordnung von 1952, nach der Deutschunterricht gegeben werden soll, ist nur die Rede von elsässischen, nicht aber von lothringischen Dialekten. 

Somit wird der vorgesehene Deutschunterricht in Lothringen nicht erteilt. So gilt auch in den höheren Schulen der Deutschunterricht nicht als Pflichtfach.

Seit 1990 gibt es aber auf Eigeninitiative der Eltern (ABCM-Zweisprachigkeit) zweisprachige Kindergärten. In der Volksschule gibt es einige Stunden pro Woche Deutschunterricht. Seit 1992 gibt es Experimente, zweisprachige Klassen zu führen. Es werden auch spezielle Sprachkurse für Lehrer und Eltern angeboten. In den Schulen wird Deutsch überwiegend als Fremdsprache unterrichtet. Bilinguale Schulen, in denen der Unterricht teilweise auf Deutsch gehalten wird, wurden im September 2003 von 13.000 Schülern besucht. Nach Angaben des in Straßburg ansässigen "Amts für Sprache und Kultur im Elsass" (Office pour la Langue et Culture d´Alsace - OLCA) sprechen noch 600.000 Menschen "Elsässisch" (ca. 34,6 % der Bevölkerung), vor allem im ländlichen Raum, in Dörfern und kleineren Städten.

Die Elsass-Lothringische Heimatbewegung wird derzeit von zwei Parteien vertreten: erstens vom Elsass-Lothringischen Volksbund, der Nachfolgepartei der Elsass-Lothringischen Regionalistischen Bewegung. Der Volksbund wurde 1990 von der Europäischen Freien Allianz (Regenbogenfraktion) ausgeschlossen. Zweitens von der Elsässischen Volksunion, die 1988 u. a. von früheren Mitgliedern des Volksbundes und der EL Regionalistischen Bewegung (Bernard Wittmann, Bernard Schwengler, Gabriel Andres, Martin Hell) als neue liberalgerichtete Partei gegründet wurde. Die Volksunion ist seit 1989 Mitglied der Europäischen Freien Allianz und Gründungsmitglied der 1994 entstandenen Föderation der Minderheiten Frankreichs. 1993 wurde eine Jugendgruppe in der EVU gegründet (Fränzi Waag, Gérard Erné). Weiters können manche Kreise der elsässischen Grünen als Bestandteil der Heimatbewegung betrachtet werden (u.a. der Regionalrat Guy Hémonet). Die elsässische bzw. lothringische Kulturbewegung ist durch mehrere

Vereinigungen vertreten, u.a. durch

- den René-Schickelé-Kreis, 1968 gegründet, der sich überparteilich für die Anerkennung und Förderung der Zweisprachigkeit einsetzt. Der René- Schickelé-Kreis ist Mitglied des Bureau for Lesser Used Languages. 1992 wurde eine Jugendgruppe (Barbara Vonfelt) gegründet: Culture & Bilinguisme;

- die Vereinigung "D'Heymet, Sproch un Tradition", 1987 gegründet, die sich ebenfalls für Zweisprachigkeit und für den Erhalt des elsässischen Dialekts einsetzt;

- den "Haut-Comité pour le Bilinguisme", 1989 um den UDF-Senator und Vize-Präsident des Regionalrats Henry Goetschy gegründet;

- den Verein "Bi uns Dahäm", der sich für den Lothringischen Platt einsetzt. Ansonsten gibt es zwei EVU-nahe Vereinigungen:

- das Forum der Elsaß-Lothringer im Ausland, 1995 von Thierry-Karl Goschescheck gegründet (Landesgruppe Süddeutschland/Österreich, Regionalgruppe Pazifik und Landesgruppe Benelux);

- das Elsaß-Lothringen/Jugendforum - Alsace-Lorraine/Forum Jeunes, dessen Zielsetzung es ist, alle Jugendorganisationen der Heimat- bzw. Kulturbewegung zu vereinigen.

Die Elsass-Lothringischen Organisationen finanzieren sich primär aus privaten Spenden. Lediglich der René-Schickelé-Kreis bekommt eine finanzielle Unterstützung vom Regionalrat, und die Elterninitiative ABCM wird von der EU-Kommission mitfinanziert.

Deutsche Vertretungen in Frankreich
http://www.allemagne.diplo.de/Vertretung/frankreich/de/Startseite.html

Aktuelles

Die neue Deutsche Buchhandlung in Paris

Endlich ist es soweit! Nach einer langen Planungs- und Vorbereitungsphase hat am Dienstag, 19. Mai 2015, die neue Deutsche Buchhandlung in Paris ihre Türen geöffnet. Sie liegt am linken Seine-Ufer in einem der schönsten Viertel des 5. Arrondissements, dem Quartier Latin – in der 5 rue Frédéric Sauton. Da diese kleine charmante Straße den Quai Montebello mit dem Place Maubert/Bd. St. Germain verbindet, kann der Besucher von zwei Seiten immer mit Blick auf Notre-Dame die neue Buchhandlung besonders leicht bei einem Spaziergang entdecken.

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Ausstellung: Die Karikatur im Dienst der deutsch-französischen Freundschaft

Das Preisen der deutsch-französischen Freundschaft lässt einen zuweilen in Floskeln verfallen. Man vergisst, was sich hinter der Macht der Bilder und Symbole verbirgt: die Realität von zwei Völkern mit ganz unterschiedlichen Mentalitäten, deren Freundschaft untereinander alles andere als selbstverständlich ist. Doch damit es nicht so weit kommt, gibt es einen Rettungsanker: Humor.

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Deutsches Sozialwerk in Frankreich

Mit Sitz in Paris und Regionalvertretungen in Bordeaux, Lille, Straßburg und Lyon hilft das Deutsche Sozialwerk in Frankreich seit mehr als 60 Jahren Deutschen in Not.

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Kondolenztelegramm von Bundeskanzlerin Merkel an Präsident Hollande

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Robert Joachim

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Frankreich

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Der Volksbund ist seit jeher auf dem kulturellen und sprachlichen Gebiet tätig. Er wirkt beim Umweltschutz und der Anti-AKW-Bewegung mit. Er führt die politischen und sozialen Auseinandersetzung an und setzt sich dabei unter anderem für die Etablierung von freien Radiosendern, Beteiligung an den Wahlen durch Kundgebungen und öffentliche Auftritte sowie die Gründung von deutschsprachigen Schulklassen ein. Ziel ist das Selbstbestimmungsrecht für die Elsass-Lothringern in einem föderalen Europa der Völker und Regionen.  

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